ahc Sachverständigenbüro

Dr.-Ing. Anna Herman-Czezuch

Gebrauchte Photovoltaikanlage kaufen: Die technische Ankaufprüfung

Gebrauchte PV-Anlagen wechseln häufiger den Besitzer, als man denkt: beim Hauskauf, bei der Übernahme einer Gewerbeimmobilie oder als reines Investment in eine Bestandsanlage. Das Problem dabei: Der Käufer übernimmt nicht nur die Erträge, sondern auch alle versteckten Mängel. Eine unabhängige Ankaufprüfung – im Fachjargon technische Due Diligence – sorgt dafür, dass Sie wissen, was Sie kaufen, bevor Sie unterschreiben.

Ich prüfe eine Bestandsanlage auf drei Ebenen: technisch, wirtschaftlich und rechtlich. Erst zusammen ergeben sie ein verlässliches Bild.

Die technische Ebene: In welchem Zustand ist die Anlage?

Module altern, Wechselrichter haben eine begrenzte Lebensdauer, und Befestigungen leiden unter Wind und Wetter. Konkret schaue ich auf:

  • Module – Zustand und Restleistung. Mikrorisse und Zellschäden sieht man weder mit bloßem Auge noch immer im Wärmebild; hier hilft die Elektrolumineszenz-Messung, ergänzt um Thermografie.
  • Wechselrichter – Alter, Betriebsstunden, Fehlerprotokolle. Ein Wechselrichter, der das Ende seiner Lebensdauer erreicht, ist ein einkalkulierbarer Kostenposten, den man im Kaufpreis berücksichtigen sollte.
  • Unterkonstruktion und Dachanbindung – sitzen die Befestigungen fest, sind die Dachdurchdringungen dicht, trägt die Statik die Last dauerhaft?
  • Verkabelung und Steckverbinder – Übergangswiderstände und gealterte Kontakte sind nicht nur ein Ertrags-, sondern auch ein Sicherheitsthema.
  • Speicher – falls vorhanden: Restkapazität und Zustand. Worauf es bei Speichern ankommt, steht im Beitrag zum Photovoltaik-Speicher.

Die wirtschaftliche Ebene: Was bringt die Anlage noch?

Eine Anlage kann technisch in Ordnung sein und trotzdem ein schlechtes Geschäft. Deshalb gleiche ich die historischen Ertragsdaten mit dem standortgenauen Sollertrag ab – das ist im Kern ein Ertragsnachweis über die Vergangenheit. Eine konstant niedrige Performance Ratio ist ein Warnzeichen.

Dazu kommen die Vergütungsfragen: Wie lange läuft die EEG-Vergütung noch, und welches Vergütungsmodell gilt? Eine Anlage mit zehn Jahren Restvergütung ist etwas anderes wert als eine, die kurz vor dem Förderende steht. Wie man den Wert einer PV-Anlage seriös bestimmt, habe ich gesondert erklärt.

Die rechtliche Ebene und die Dokumentation

Papier ist beim Anlagenkauf bares Geld wert. Fehlt die Dokumentation, kaufen Sie eine Blackbox. Ich prüfe:

  • Inbetriebnahme- und Abnahmeprotokoll sowie die vollständige Anlagendokumentation – Strangpläne, Datenblätter, Prüfprotokolle.
  • Eintrag im Marktstammdatenregister und die Netzanmeldung – Pflicht, und überraschend oft lückenhaft.
  • Garantien – sind Modul- und Wechselrichtergarantien auf den neuen Eigentümer übertragbar?
  • Restgewährleistung gegenüber dem Errichter – und ob es bereits dokumentierte Mängel gibt.
  • Versicherung – bestehender Schutz und Schadenhistorie.

Typische Überraschungen aus der Praxis

Drei Dinge sehe ich bei Bestandsanlagen immer wieder: Erstens Module, die im Datenblatt eine bestimmte Leistung versprechen, real aber durch Mikrorisse oder PID längst darunter liegen. Zweitens Wechselrichter kurz vor dem Ausfall, deren Tausch im Kaufpreis nirgends eingepreist ist. Und drittens eine lückenhafte Papierlage – ohne Inbetriebnahmeprotokoll und ohne sauberen Registereintrag wird aus einem Schnäppchen schnell ein Folgekostenfall. Eine Prüfung kostet einen Bruchteil dessen, was eine dieser Überraschungen nach dem Kauf kostet.

Ab wann lohnt sich eine Prüfung?

Eine vollständige technische Due Diligence ist ab mittlerer Anlagengröße – grob ab 100 kWp – ein Standard, den auch professionelle Investoren erwarten. Aber auch bei kleineren Aufdachanlagen lohnt sich eine unabhängige Prüfung, wenn der Kaufpreis hoch ist oder die Unterlagen Lücken haben. Die Faustregel: Je weniger Sie über die Anlage wissen, desto eher zahlt sich eine Prüfung aus.

Bei größeren Anlagen empfiehlt sich eine Untersuchung vor Ort. Bei kleineren genügt manchmal eine fundierte Unterlagen- und Datenprüfung mit gezielten Stichproben. Was sinnvoll ist, stimme ich vorab mit Ihnen ab – einen Überblick über meine Leistungen für Gewerbekunden finden Sie auf der entsprechenden Seite.

Sie stehen vor dem Kauf einer Bestandsanlage und wollen kein Risiko eingehen? Schildern Sie mir den Fall über das Kontaktformular – ich sage Ihnen, welche Prüftiefe in Ihrer Situation angemessen ist.

Über die Autorin

Dr.-Ing. Anna Herman-Czezuch ist Sachverständige für Photovoltaik und betreibt das ahc Sachverständigenbüro in Köln. Sie erstellt unabhängige Gutachten für private und gewerbliche Anlagenbetreiber in Köln und ganz NRW. Eine Einschätzung zu Ihrer Anlage erhalten Sie über das Kontaktformular.

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