ahc Sachverständigenbüro

Dr.-Ing. Anna Herman-Czezuch

Zwölf Gründe, warum Ihre PV-Anlage weniger produziert als sie sollte

Die Prognose beim Kauf lag bei 9.500 kWh pro Jahr. Tatsächlich erzeugt die Anlage 7.200 kWh. Ist das ein Mangel? Vielleicht. Manchmal auch nicht. 

Als Faustregel gilt: Bei einer Abweichung von mehr als etwa 10 Prozent lohnt sich eine genauere Analyse. Nachfolgend finden Sie zwölf Ursachen, die in der Praxis häufig zu Mindererträgen führen. Die Reihenfolge orientiert sich an der Häufigkeit, nicht am Alphabet.

  1. Verschattung, die bei der Planung nicht erkannt wurde

Ein Nachbarbaum wächst. Ein Schornstein wirft Schatten, der im Sommer-Angebot nicht sichtbar war. Eine Dachantenne reicht aus, um einen ganzen String zu beeinträchtigen. Verschattung ist die häufigste Einzelursache für Minderertrag. Mehr dazu im Beitrag Verschattung PV Anlage, der den Modulabstand am Beispiel von Flachdächern behandelt.

  1. Ausrichtung und Neigung nicht korrekt in der Planung berücksichtigt

Eine Südausrichtung mit etwa 30 Grad Neigung gilt als guter Referenzwert. Abweichungen davon sind oft sinnvoll und technisch unproblematisch. Entscheidend ist jedoch, dass die tatsächliche Dachausrichtung und Neigung korrekt in die Planung und Ertragsprognose einbezogen wurden.

Werden hier vereinfachte Annahmen getroffen oder unterschiedliche Dachflächen nicht richtig berücksichtigt, kann die Anlage technisch einwandfrei arbeiten und dennoch deutlich weniger Ertrag liefern als erwartet.

  1. Bypass-Dioden defekt

Jedes Modul enthält meist drei Bypass-Dioden, die bei Verschattung oder Defekt einzelner Zellen den Strom am Problembereich vorbeileiten. Fällt eine Diode aus, verhält sich das Modul wie eine dauerhaft verschattete Einheit. Fehlersuche: Thermografie zeigt das im Normalfall eindeutig.

  1. Fehlerhafte String-Auslegung

Die Module einer Anlage werden zu sogenannten Strings zusammengeschaltet. Dabei entsteht eine bestimmte Spannung, mit der der Wechselrichter arbeiten muss. Liegt diese Spannung außerhalb des vorgesehenen Arbeitsbereichs, arbeitet die Anlage nicht optimal oder schaltet unter bestimmten Bedingungen ab.

Sind zu wenige Module im String, ist die Spannung zu niedrig. Sind es zu viele, kann die Spannung vor allem bei niedrigen Temperaturen zu hoch werden. In diesem Fall greift die Schutzfunktion des Wechselrichters, und die Anlage speist zeitweise nicht ein.

Solche Auslegungsfehler fallen häufig erst im Betrieb auf.

  1. Wechselrichter arbeitet nicht im besten Wirkungsgrad

Wechselrichter erreichen ihren besten Wirkungsgrad meist zwischen 30 und 80 Prozent ihrer Nennleistung. Ist der Wechselrichter deutlich überdimensioniert, läuft die Anlage häufig im ineffizienten Teillastbereich. Ist er unterdimensioniert, wird in Spitzenzeiten abgeregelt – die Leistung wird „gekappt“ und geht verloren.

  1. Verschmutzung

Pollen, Vogelkot, Laubrand, landwirtschaftlicher Staub. Die regelmäßige Reinigung wird oft unterschätzt – mehr dazu in meinem Beitrag zur Wartung von PV-Anlagen. Besonders an flach aufgeständerten Anlagen sammelt sich unten am Rand ein Schmutzstreifen, der ganze Modulreihen beeinträchtigt.

  1. Schnee, der nicht abrutscht

Bei geringer Neigung bleibt Schnee länger liegen als oft angenommen. Im Dezember und Januar können so Ertragsverluste von mehreren hundert kWh entstehen. Das ist kein Mangel, wenn die Anlage entsprechend ausgelegt wurde, wohl aber ein Thema für die Ertragsprognose.

  1. Defekte Module

Mikrorisse, PID-Effekt (potentialinduzierte Degradation), Delamination. Manche Moduldefekte zeigen sich erst nach Jahren. Hier hilft eine Elektrolumineszenz-Messung, die Mikrorisse sichtbar macht. In der Thermografie sind Hotspots typisch.

  1. Verkabelungsfehler oder Steckverbinder-Probleme

DC-Leitungsstecker, die unter Last oder Feuchtigkeit Übergangswiderstände entwickeln, sind ein unterschätztes Problem. Der Effekt: Erwärmung, Ertragsverlust, im schlimmsten Fall Brandgefahr. Fehlersuche über Thermografie oder Kennlinienmessung.

  1. Falsch parametrierter Wechselrichter

Manche Wechselrichter wurden mit Werkseinstellungen installiert und nie an die reale Anlage angepasst. Falsche Einspeisemanagement-Parameter, falsche Ländereinstellung, zu konservative Abregelungen, nach einem Firmware-Update einfach zu prüfen und zu korrigieren.

  1. Netzabregelung durch den Verteilnetzbetreiber

Wenn das lokale Netz überlastet ist, kann der Netzbetreiber die Einspeisung begrenzen. Mit dem Solarspitzengesetz, das am 25. Februar 2025 in Kraft trat, hat sich das Regelwerk geändert; mehr dazu im bestehenden Beitrag. Manche Anlagen verlieren durch Abregelung messbar Ertrag, ohne dass der Betreiber das merkt.

  1. Unrealistische Prognose beim Verkauf

Seriöse Berechnungen berücksichtigen Standortdaten, Verschattung und Systemverluste. Eine Abweichung von der Prognose ist nicht automatisch ein Mangel. Entscheidend ist, ob die Anlage im Rahmen der physikalischen Möglichkeiten arbeitet.

Wie eine Analyse in der Praxis abläuft

Zuerst schaue ich mir das Monitoring an. Die Ertragsdaten der letzten zwölf Monate zeigen, ob sich der Minderertrag gleichmäßig über das Jahr verteilt (dann eher Auslegungs- oder Verschmutzungsthema) oder ob er plötzlich eingetreten ist (dann eher technischer Defekt). Im zweiten Schritt kommt die Sichtprüfung vor Ort, bei Bedarf ergänzt durch Messungen. Die konkreten Methoden und Kosten habe ich im Beitrag Was kostet ein PV-Gutachten beschrieben.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihre Anlage deutlich unter ihren Möglichkeiten läuft, prüfen Sie zuerst die einfachen Punkte: Monitoring über mindestens ein Jahr, sichtbare Verschmutzung, Vergleich mit Nachbaranlagen gleicher Größe. Danach wird es technisch und dann lohnt sich der Blick von außen.

Für eine erste Einschätzung stehe ich gern zur Verfügung: Kontakt oder direkt über die Seite Performance-Analyse.