ahc Sachverständigenbüro

Dr.-Ing. Anna Herman-Czezuch

Hagel auf dem Solardach: Was jetzt zu tun ist

Nach einem schweren Hagel wirken die Module auf den ersten Blick oft unversehrt. Das täuscht. Ein Treffer mit fünf Zentimeter Korn kann ein Modul optisch unbeschädigt lassen und trotzdem innere Zellschäden verursachen, die erst Monate später zu Ertragsverlusten führen. Dieser Beitrag hilft Ihnen, die Minuten und Stunden nach einem Hagelereignis richtig zu nutzen.

Innerhalb der ersten 24 Stunden

Sicherheit zuerst. Gehen Sie nicht auf das Dach, während noch Wind oder Gewitter herrscht. Nasse Module leiten elektrischen Strom besser. Erst nach Trocknung und bei sicherem Stand prüfen – oder den Profi lassen.

Fotos vom Boden aus. Fotografieren Sie Ihr Dach, die Umgebung, Gegenstände, die durch den Hagel beschädigt wurden (Autos, Gartenmöbel, Dachrinnen). Diese Bilder belegen das Hagelereignis und seine Intensität.

Wetterdaten sichern. Der Deutsche Wetterdienst erfasst Unwetterwarnungen und stellt Klimadaten bereit. Für die Versicherung ist der Nachweis eines tatsächlichen Hagelereignisses am Schadenort wichtig. Unwetter-Warnungen der DWD-Plattform oder Aufzeichnungen privater Wetterstationen können das belegen.

Monitoring prüfen. Schon kurz nach dem Hagel: Wie verhält sich die Ertragskurve? Brechen einzelne Strings ein? Fällt die Leistung global ab? Screenshots mitnehmen, das sind wertvolle Beweise.

Die Dokumentations-Checkliste

Wenn Sie später einen Versicherungsantrag stellen, braucht die Versicherung in der Regel:

  • Schadensmeldung   mit Datum, Uhrzeit und ungefährer Intensität des Hagelereignisses.
  • Fotos vom Dach   – Übersichtsaufnahme und Detailaufnahmen einzelner Module, idealerweise mit Maßstab (Lineal oder Zollstock neben der Einschlagsstelle).
  • Fotos der Umgebung –   beschädigte Objekte in der Nähe, die das Hagelereignis bestätigen.
  • Monitoring-Daten   der Anlage aus den Tagen vor und nach dem Ereignis.
  • Versicherungsschein    und Angabe, welche Deckung für PV-Anlagen besteht.
  • Installationsunterlagen   der Anlage (Rechnung, Abnahmeprotokoll, Moduldatenblätter).
  • Wetterdaten   vom DWD oder einer nahen Wetterstation, die das Ereignis belegen.

 

Warum eine reine Sichtprüfung nicht reicht

Moderne Glas-Module sind gegen Hagelkörner bis zu einer bestimmten Größe zertifiziert (IEC 61215 Hagelschlagprüfung mit Korngrößen von in der Regel 25 bis 35 Millimeter). Darüber hinaus können aber auch kleinere Hagelkörner durch ihre kinetische Energie Schäden verursachen, besonders bei hohem Aufprallwinkel oder bei bereits vorgeschädigten Modulen.

Die problematischen Schäden sind nicht die offensichtlichen:

Sichtbar: Zerborstenes Glas, geplatzte Rückseitenfolie, sichtbare Beulen. Das sieht jeder.

Unsichtbar: Mikrorisse in den Zellen, die Oberfläche des Moduls bleibt intakt. Die Zellen arbeiten zunächst normal. Durch Temperaturwechsel, Feuchtigkeitseinfluss und elektrische Beanspruchung entwickeln sich die Mikrorisse über Monate zu echten Leistungseinbrüchen. Die Versicherung zahlt dann möglicherweise nicht mehr, weil der zeitliche Zusammenhang zum Hagelereignis schwer nachweisbar ist.

Genau deshalb lohnt sich eine zeitnahe Überprüfung mittels Thermografie nach dem Hagelereignis. Die Methodik habe ich im Beitrag zur Thermografie an PV-Anlagen beschrieben.

Wer den Schaden prüft

Die Versicherung bestellt in der Regel einen eigenen Sachverständigen. Das ist ihr gutes Recht. Wenn der Versicherungs-Gutachter eine geringere Schadenshöhe ansetzt als Sie erwarten, können Sie einen unabhängigen Gutachter dagegenstellen, das sieht das Versicherungsvertragsgesetz ausdrücklich vor (§ 84 VVG, Sachverständigenverfahren).

Ein unabhängiger Sachverständiger prüft im Unterschied zum Versicherungsgutachter ergebnisoffen. Es gibt keine Pflicht, eine geringere Schadenshöhe hinzunehmen, wenn nachweisbar mehr Schaden besteht. Details dazu im Bereich Schadensgutachten.

Wann sich der schnelle Termin rechnet

Je kürzer der Zeitraum zwischen Hagelereignis und Begutachtung, desto klarer die Zuordnung. Sechs Wochen nach dem Hagel lässt sich ein neuer Mikroriss leichter dem Ereignis zuordnen als ein halbes Jahr danach. Ich empfehle daher, bei stärkeren Hagelereignissen nicht zu warten, selbst wenn das Dach auf den ersten Blick unversehrt aussieht.

Wenn Sie uns vor Ort brauchen

Ich prüfe Photovoltaikanlagen im Raum Köln und im Umkreis von etwa 100 Kilometern. Für eine Ersteinschätzung reicht oft ein Telefonat. Die Kontaktdaten finden Sie auf der Kontaktseite. In Eilfällen nach Unwettern melden Sie sich direkt telefonisch, dann kann ich kurzfristig einschätzen, ob eine zeitnahe Vor-Ort-Prüfung sinnvoll ist.